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Experteninterview: Roboze CEO Alessio Lorusso über Hochleistungs- und Composite-3D-Druck

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Der italienische 3D-Druckerhersteller Roboze wurde im Jahre 2013 mit dem Ziel gegründet, fortschrittliche Technologien für den FFF-3D-Druck anzubieten. Sechs Jahre später hat Roboze dieses Ziel erreicht und fünf 3D-Drucker und 12 verschiedene Materialien auf den Markt gebracht. Roboze hat mit seinem Angebot an Hardware und Materialien die folgenden Märkte der Industrie im Visier: Medizin, Luft- und Raumfahrt, die Automobilindustrie sowie Öl und Gas.
 
In diesem Experteninterview spricht Roboze-CEO Alessio Lorusso mit uns über die 3D-Drucktechnologie, hochleistungsfähige Materialien und die aktuellen Aussichten der AM-Branche
 

Erzählen Sie uns bitte mehr über Roboze?

Alessio Lorusso, Roboze CEO
Alessio Lorusso, Roboze CEO

 
Wir hier bei Roboze entwickeln und fertigen die präzisesten FDM-3D-Drucker für Verbund- und Hochtemperaturpolymer.
 
Aufgrund ihrer mechanischen und chemischen Eigenschaften können unsere Polymere die Metalle ersetzen, die in Extremanwendungen in der Luft- und Raumfahrt, im Motorsport, in der Automobilindustrie, in der Öl- und Gasindustrie sowie in der Verteidigungsindustrie eingesetzt werden.
 
Was unsere 3D-Drucker so präzise macht, ist unser patentiertes riemenloses System. Es ermöglicht dem Benutzer nicht nur den 3D-Druck von Teilen mit einer Genauigkeit von 25 Mikrometern sondern auch die Wiederholbarkeit der Teile.
 
Wir bedienen hauptsächlich Märkte in der EMEA, den USA und dem asiatischen Markt. Derzeit sind mehr als 300 unserer Maschinen in über 25 Ländern im Einsatz.
 
Wir führen Kunden wie Airbus, GE, Bosch und Merck in unseren Büchern. Kunden die mit Hilfe unserer Maschinen täglich funktionale Prototypen und Endanwendungsteile für extreme Anwendungen herstellen.
 
Derzeit verwenden alle anderen auf dem Markt erhältlichen FDM-Maschinen ein Riemensystem. Im Gegensatz dazu verwenden unsere Drucker keine Riemen. Stattdessen nutzen sie die Mechatronik-Bewegung, ermöglicht durch Zahnstangen und Ritzel. Unsere riemenlose Technologie ist daher sechsmal genauer als alle anderen auf Riemen basierende 3D-Drucker.
 

Neben Maschinen stellt Roboze auch fortschrittliche Verbundwerkstoffe her. Worin liegen die Vorteile dieser Werkstoffe bei den Fertigungsanwendungen?

Carbon PEEK 3D-gedrucktes Teil [Bildnachweis: Roboze]
Carbon PEEK 3D-gedrucktes Teil [Bildnachweis: Roboze]

 
Ja, wir entwickeln intern auch unsere eigenen Materialien. Wir haben ein Team von Materialwissenschaftlern und Chemikern, die Materialien auf der Grundlage der Anwendungen und Anforderungen unserer Kunden entwickeln.
 
Wir haben auch eine eigene Abzugsanlage, sodass wir kundenspezifische Formulierungen herstellen können. Dies ist daher von uns von entscheidender Bedeutung, da Maschinen letztendlich nur Maschinen sind, es aber die Materialien sind, die uns helfen, neue Anwendungen und Märkte zu erschließen und neue Kunden zu gewinnen.
 
Derzeit sind unsere Materialien dafür bekannt, Metallteile ersetzen zu können. Möglich wird dies durch die spezielle Carbonfaser-Formulierung unserer Materialien, die einem Teil die nötige Steifheit und Festigkeit verleiht.
 
Darüber hinaus bieten wir auch Materialien an, die Elektrizität leiten und extremen Temperaturen standhalten können – entweder sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen. Unser PEEK-Material ist für Temperaturen von -80 ° C bis + 250 ° C geeignet. Wir sprechen hier von sehr großen Temperaturunterschieden.
 
Schließlich ist die chemische Widerstandsfähigkeit eine weitere wichtige Eigenschaft unserer Materialien. Sie können Lösungsmitteln widerstehen, was bei der Herstellung von Teilen sehr nützlich ist, die mit Benzin und aggressiven chemischen Lösungsmitteln in Kontakt kommen.
 

Welche Branchen bieten für Roboze die größten Wachstumschancen?

Die Luft- und Raumfahrt bietet eine große Chance, aber Sie müssen langfristig mit dabei sein. Dies liegt daran, dass es aufgrund der Zertifizierungsherausforderungen bis zu 10 Jahre dauern kann, bis ein Produkt der Luftfahrtbranche eingeführt wird.
 
Derzeit konzentrieren wir uns stark auf Branchen wie Motorsport, Automobil, Öl und Gas, Spritzguss, Formpressen und Kunststoff. Wir arbeiten daran, die derzeit üblichen Methoden mit durch 3D-Druck hergestellte Verbund- und Hochtemperaturmaterialien zu ersetzen.
 

Wie kann die Industrie am Beispiel der Öl- und Gasindustrie von Ihrer Technologie profitieren?

Generell gesprochen verwenden Öl- und Gasunternehmen unsere Technologie zur Herstellung von Ersatzteilen für Offshore- und Onshore-Plattformen.
 
Dazu gehören Teile wie Ventile, Dichtungen oder Ringe – alles, was sofort ausgetauscht werden muss, um den gesamten Absaugprozess nicht unterbrechen zu müssen.
 

Woran erkennen Sie, wann der 3D-Druck besser geeignet ist als herkömmliche Fertigungstechniken?

Wir empfehlen unsere Maschinen immer dann einzusetzen, wenn Sie kleine Stückzahlen einer kundenspezifische Serienfertigung benötigen. Dies bedeutet etwa 2000 bis 3000 Teile pro Jahr. Bei größeren Volumina ist es weiterhin sinnvoll, traditionelle Techniken wie das Spritzgießen zu verwenden.
 
Der 3D-Druck eignet sich besonders, wenn Sie ein Design häufig ändern müssen oder wenn Sie eine kundenspezifische, schnelle und flexible Produktion benötigen.
 
Wenn Sie jedoch monatelang Zeit haben, ist der 3D-Druck nicht die geeignete Technologie für Sie! Sollten Sie jedoch morgen in der Frühe ein Produkt benötigen, dann ist der 3D-Druck die einzige verfügbare Technologie, die diese Anforderungen erfüllen kann.
 

Welche Tipps würden Sie einem Unternehmen geben, das mit dem 3D-Druck beginnen möchte?

FFF Argo500 3D-Drucker von Roboze [Bildnachweis: Roboze]
FFF Argo500 3D-Drucker von Roboze [Bildnachweis: Roboze]

 
Bei Roboze bringen wir als Erstes immer unsere technischen Lösungsanbieter ins Spiel. Sie sprechen mit unseren Kunden vor Ort, um zu verstehen, wo die aktuellen Probleme liegen, wie wir für unsere Kunden die Produktentwicklung beschleunigen und die Produktionskosten und -zeiten senken können.
 
Auf diese Weise können wir sehr schnell feststellen, ob wir durch die Einführung unserer Technologie mehr Raum für die Optimierung der heutigen Aktivitäten unseres Kunden sehen.
 
Wir fangen erst dann an, über die Integration unserer Technologie zu sprechen, wenn es wirklich Sinn macht, besonders da wahrscheinlich nicht alle Kunden derzeit einen 3D-Druck benötigen. Für uns ist es sehr wichtig, nur den Kunden Lösungen anzubieten, die unsere Technologie wirklich benötigen, und diesen somit Zeit und Geld zu sparen.
 

Gibt es bei der Beschleunigung der Einführung der Technologie etwaige Herausforderungen?

Das Wichtigste ist Bildung. Die Mehrheit unserer Kunden versteht die Technologie immer noch nicht richtig und weiß nicht, wie und wann sie eingesetzt werden soll. Oft denken sie, dass man mit einem 3D-Drucker alles erledigen kann und dass der 3D-Druck andere Technologien ersetzen kann, was so nicht stimmt.
 
Also ist es für uns daher von entscheidender Bedeutung, den Kunden darüber zu informieren, wo der Einsatz von 3D-Druck sinnvoll ist und wo es für ihn sinnvoll ist, weiterhin mit seiner aktuellen Technologie zu arbeiten. Aus- und Weiterbildung sind daher sehr wichtig, um dem Kunden zu helfen, die Technologie in die Produktionsprozesse zu integrieren und die Investitionsrentabilität zu maximieren.
 

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich der additiven Fertigung?

Ich denke, dass all die verschiedenen Technologien, die wir heute haben, irgendwann in naher Zukunft auf ein paar Maschinen und Prozesse optimiert werden wird. Heutzutage gibt es im 3D-Druck zahlreiche Technologien. Wir haben Maschinen für Metall, Kunststoff und Keramik. Ich denke, dass diese Technologien in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf eine Handvoll von Plattformen reduziert sein wird.
 
Der Haupttreiber dafür wird aus der Notwendigkeit entstehen einen einzelnen Prozess zu erstellen, um einzigartige, fertige Produkte zu ermöglichen. Also müssen wir jetzt überlegen, wie wir Kunststoffe, Metalle und Keramiken in ein System integrieren können, um diese Teile herzustellen.
 

Roboze hat kürzlich seine Expansion nach Japan angekündigt. Was war der Grund für diese Entscheidung und wie sehen Sie die 3D-Drucklandschaft in Japan?

Japan und Asien überhaupt sind für uns sehr strategische Märkte.
 
Wir haben uns für diesen Markt hauptsächlich aufgrund der in Japan riesigen Automobilindustrie und Elektronikindustrie entschlossen. Wir bieten auch Materialien für elektrische und thermische Isolierstoffe an, sodass sie zur Herstellung von Gehäusen für die Elektronik verwendet werden können. Sie können auch alle Vorrichtungen und Einrichtungen herstellen, die für die Montagelinien in Kraftfahrzeugen und Produktionslinien für Smartphones und andere elektronische Geräte erforderlich sind.
 
Darüber hinaus ist die Physikforschung in Japan enorm. In vielen Labors und Forschungszentren werden mit unseren Maschinen und Materialien bereits Teile für Teilchenbeschleuniger und andere Forschungsgeräte hergestellt.
 

Roboze kündigte Ende letzten Jahres eine Finanzierung von 3 Mio. EUR an. Was bedeutet das für die Zukunft des Unternehmens?

Wir werden diese Mittel verwenden um unser Geschäftswachstum zu beschleunigen und unsere Entwicklungsaktivitäten voranzutreiben. Wir hier bei Roboze konzentrieren uns sehr auf die Forschung und Entwicklung. Derzeit arbeiten wir an rund sieben F & E-Projekten, darunter neue Maschinen, neue Materialien und neue Anwendungen.
 

Was hält die Zukunft für Roboze bereit?

In diesem Jahr planen wir ein Netzwerk in 30 Ländern aufzubauen, in denen wir neue Maschinen und Materialien vorstellen wollen. Basierend auf unsere Ergebnisse vom letzten Jahr wollen wir unser Geschäft um 500% steigern. Wir streben also ein deutliches Geschäftswachstum an.
 
Außerdem planen wir die Eröffnung eines Büros in Kalifornien und die Ausweitung unseres Geschäfts auf den deutschen Markt, einem weiteren großen Markt für unsere Anwendungen.
 
Wenn Sie mehr über Roboze erfahren möchten, besuchen Sie: https://www.roboze.com/