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Experten Interview: 3D Hubs’ Agata Lovrecich von 3D Hubs über das Wachstum ihrer Online Fertigungsplattform 

Mit dem Aufkommen der digitalen Fertigung und der Cloud-basierten Software ist es zu einem neuen Geschäftsmodell gekommen. Manufacturing as a Service (MaaS).  
 
Unternehmen, die dieses Geschäftsmodell betreiben, bieten ihren Kunden nicht nur ein Sofortangebot an, das durch fortschrittliche Software ermöglicht wird, sondern auch On-Demand Produktion über ein Netzwerk von Werkstätten und 3D Druckdienstleistern. Zu diesen Unternehmen gehört auch 3D Hubs.
 

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Agata Lovrecich, Produktmarketing Manager bei 3D Hubs 

3D Hubs wurde ursprünglich als ein Marktplatz für den 3D Druck gegründet, auf dem jeder, der einen 3D Drucker besitzt, seine 3D Druckdienste online anbieten kann. Das Unternehmen hat jedoch kürzlich seinen Fokus auf den industriellen Fertigungsmarkt verlagert und ein großes Netzwerk von Fertigungspartnern aufgebaut. 
 
Im Experteninterview dieser Woche wird Agata Lovrecich, Produkt Marketing Manager von 3D Hub, mit uns über den Aufstieg des MaaS-Geschäftsmodells, Anwendungsbeispiele für den 3D-Druck und häufige Missverständnisse beim 3D-Druck sprechen. 
 

Können Sie mir etwas mehr über 3D Hubs erzählen?

 
3D Hubs ist eine Online-Fertigungsplattform mit der Vision, Ingenieuren die Möglichkeit zu geben, hervorragende Produkte zu entwickeln.
 
Bei der Entwicklung eines bestimmten Produkts möchten sich die Ingenieure auf das eigentliche Design und Testen von Teilen konzentrieren. Tatsächlich wird jedoch viel Zeit für die Verwaltung aufgewendet. Dies gilt insbesondere für KMU. Wenn beispielsweise ein kleines Unternehmen einen Prototyp eines Entwurfs erstellen möchte, muss es nach einem Hersteller suchen, bei dem gewährleistet ist, dass dieser über die richtigen Fähigkeiten verfügt. Dann fordern sie ein Angebot an und müssen in der Regel etwa zwei Wochen warten, um einen Anruf oder eine E-Mail vom Lieferanten zu erhalten, der die Bestellung bestätigt. Statt dessen könnte diese Zeit  von Ingenieuren genutzt werden, um das tatsächliche Teil zu entwerfen, zu testen und zu verbessern. 
 
Daher haben wir die Notwendigkeit einer Plattform erkannt, die all diese Prozesse so weit wie möglich automatisiert und es den Ingenieuren ermöglicht mit ihren Produkten schneller auf den Markt zu kommen. 
 
So können die Ingenieure eine CAD-Datei auf unsere Plattform hochladen und sofort einen Preis erhalten, ohne zwei Wochen auf ein Angebot warten zu müssen. Die Preisberechnungen basieren auf einem von uns selbst entwickelten Algorithmus für maschinelles Lernen. Die Ingenieure können also einen Prototyp oder ein Teil sofort bestellen und es sich je nach Technologie und verwendeten Materialien innerhalb von Tagen liefern lassen.
 
So machen wir es den Menschen so einfach wie möglich, Teile zu bestellen, damit sie sich auf das Entwerfen und Konstruieren konzentrieren können.
 

Wir sehen hier wie die Fertigung in den Bereich Druckdienstleistung aufsteigt. Warum ist dieses Modell für Unternehmen von Vorteil? 

 
Traditionell war der Zugang zu Produktionskapazitäten schwierig, insbesondere für kleine Unternehmen. Größere Unternehmen haben jedoch tendenziell ihre eigenen Lieferanten und mehr Kaufkraft.  
 
Meiner Meinung nach hat Manufacturing as a Service diese Eintrittsbarriere gesenkt. Über Unternehmen wie unsere haben jetzt mehr Unternehmen Zugang zu globalen und örtlichen Kapazitäten.
 

3D Hubs hat sich kürzlich dem professionellen B2B-Bereich zugewandt. Können Sie über die Gründe für diese Verschiebung sprechen und wie sie Ihrem Unternehmen zum Wachstum verholfen hat? 

 
3D Hubs startete 2013 als Peer-to-Peer Marktplatz, auf dem wir die Fans des 3D Druck, die über eigene 3D-Drucker verfügten, mit Menschen zusammenbrachten, die Teile in 3D drucken wollten. 
 
Dies war während des Hype um den 3D-Druck. Als dieser Hype jedoch nachließ, erkannten wir, dass wir unser Geschäftsmodell ändern mussten. Wir stellten fest, dass ein Teil unserer Kunden, besonders die Ingenieure, unsere Plattform nutzten um Prototypen mit kürzeren Vorlaufzeiten zu erhalten und um eine breite Palette von Technologien und Materialien zu verwenden, die wir über unser Netzwerk anbieten konnten. Das ist also das Segment, auf das wir uns konzentrieren wollten.
 
Zu diesem Zeitpunkt wurde uns klar, dass wir unsere Plattform professional weitergestalten mussten. Deshalb haben wir die CNC-Bearbeitung eingeführt, die eigentlich eine ergänzende Technologie zu AF darstellt, und dann das Spritzgießen hinzugefügt. Dies ermöglichte es uns, nicht nur Prototyping Dienstleistungen, sondern auch Produktionsdienstleistungen in geringen Stückzahlen anzubieten, und somit waren wir kein Marktplatz mehr. 
 
Jetzt haben wir ein Netzwerk von Fertigungspartnern, aber 3D Hubs ist für die Lieferung der Teile verantwortlich. Auf diese Weise können wir auch die gleichbleibende Qualität der Teile gewährleisten, die unser Netzwerk liefert. 
 
Diese Verschiebung brachte viel Wachstum mit sich, da wir Technologien anbieten, an denen die Ingenieure mehr interessiert sind. 

Wenn man einmal ihr Wachstum betrachtet, worauf führen Sie den Erfolg Ihrer Plattform zurück? 

 
Unser Erfolg liegt hauptsächlich in unserer Ausrichtung auf das Technologie Segment und die Ausweitung unseres Augenmerks auf andere Fertigungstechnologien.
 
Wir waren eine der ersten, die über eine Online-Fertigungsplattform und Infrastruktur verfügten, um diese Dienstleistungen auch anbieten zu können. Im Allgemeinen denke ich aber, dass es ein Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren war.
 

Was unterscheidet 3D Hubs von anderen Manufacturing as a Service-Plattformen? 

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Erstens sind wir sehr preisgünstig, was uns durch unser großes, vielfältiges Netzwerk ermöglicht wird. Ein weiterer Faktor ist unser sofortiger Kapazitätsabgleich, der besser ist als der unserer Wettbewerber. Des weiteren sind Automatisierung und ein hervorragender Kundenservice ebenfalls wichtige Unterscheidungsmerkmale. 
 

Wie hoch ist der Anteil der Anforderungen für 3D-gedruckte Teile im Vergleich zu herkömmlichen Methoden wie CNC und Spritzguss, die an Ihre Plattform gestellt werden?

 
Die derzeit größte Nachfrage besteht in CNC bearbeiteten Teilen. 
 
Im Vergleich zur der CNC-Bearbeitung wächst der 3D Druck Bereich etwas langsamer, aber die Wachstumsrate ist konstant.
 
Ein Grund dafür ist, dass der 3D-Druck immer zugänglicher wird. Viele unserer Kunden haben 3D Drucker im Haus und würden nur dann bei uns bestellen, wenn sie nicht über genügend Kapazität verfügen. Mit einer CNC-Maschine ist es schwieriger, weil Sie diese nicht in ihrer Ausstattung haben. 
 

Können Sie uns Beispiele von Projekten benennen, die den3D Druck über Ihre Plattform verwendeten? 

 
Ich werde mich auf Beispiele konzentrieren, die jenseits von Prototypen liegen, weil ich denke, dass das hier ziemlich wichtig ist.
 
Es gibt drei verschiedene Anwendungsfälle für den 3D Druck. Der erste ist Designflexibilität. Während das Spritzgießen eine einfache Technologie ist, erfordert es beispielsweise eine bearbeitete Form, die sehr teuer ist und deren Design ziemlich festgelegt ist. Sie können somit zwar schnell Teile produzieren, aber es ist sehr schwierig, wenn sie tatsächliche Designänderungen an einem Teil vornehmen wollen. Im Gegensatz dazu bietet Ihnen der 3D Druck eine flexiblere Designgestaltung, insbesondere Designänderung an. 
 
Ein Beispiel hierfür ist eine VR-Set produzierende Firma. Das Unternehmen musste Teile nach ihrem ersten Produktionslauf testen und basierend auf Kundenfeedback iterieren. Eine Änderung des Designs wäre beim Spritzgießen unerschwinglich gewesen, beim 3D Druck ist dies jedoch möglich. Wenn Sie also nach einem bestimmten Produktionslauf weitere Flexibilität benötigen, zum Beispiel möchten Sie, dass Ihre nächsten 500 Teile etwas anders aussehen, ist der 3D Druck eine guter Anwendung. 
 
Der zweite Anwendungsfall ist, wenn Sie durch die Designbeschränkungen der traditionellen Fertigung eingeschränkt sind. Hier möchten Sie den 3D Druck in Betracht ziehen. Nehmen wir zum Beispiel an, Sie haben eine riesige Baugruppe mit vielen verschiedenen Komponenten, die mit unterschiedlichen Technologien hergestellt wurden. Mit dem 3D Druck können Sie eine Baugruppe als ein Teil entwerfen und somit die Kosten senken. 
 
Wir hatten eine Firma namens Optisys, die eine Tracking-Antenne aus 100 verschiedenen Teilen herstellen musste. Das Team hat diese neu gestaltet und als eine Komponente in 3D gedruckt. Dieser Ansatz ermöglichte es Optisys, neun Monate Produktionszeit, etwa 75 Prozent der Startkosten und 25 Prozent der Produktionskosten einzusparen und gleichzeitig die Eigenschaften der benötigten Materialien beizubehalten.
 

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Eine 3D-Metallantenne, die über das Netzwerk von 3D Hubs gedruckt wurde [Bildnachweis: Optisys] 

 
Der dritte Bereich, in dem sich der 3D Druck auszeichnet, ist, wenn Sie etwas benötigen, das schnell hergestellt werden kann. Wir haben mit einer Firma, SureFire Electronics, zusammengearbeitet, die ursprünglich Spritzguss betreiben wollte. Anstatt die traditionelle Technologie zu verwenden, entschieden sie sich für den 3D Druck. 
 
Infolgedessen sparten sie sieben Wochen Produktionszeit und behielten gleichzeitig die Eigenschaften der benötigten Materialien bei. 
 
Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis, dass der 3D Druck nicht in der Lage ist, mit bestimmten technischen Materialien zu drucken. Das stimmt nicht mehr. Die Technologie entwickelt sich rasant weiter und kann bereits mit Hochleistungsmaterialien drucken. Dies bedeutet, dass Sie in einigen Fällen herkömmliche Technologien durch 3D Druck ersetzen können, während Sie die erforderlichen Materialeigenschaften beibehalten können. 
 

Was sind in Bezug auf den 3D Druck einige der häufigsten Missverständnisse, auf die Sie stoßen? 

 
Ein Missverständnis betrifft die Genauigkeit des 3D Drucks. Herkömmliche Technologien fertigen ist in den meisten Fällen mit höherer Genauigkeit als das beim 3D-Druck früher der Fall war. Wenn Sie jedoch industrielle 3D Drucker verwenden, kommt die Genauigkeit der traditionellen Fertigung sehr nahe.
 
Ein weiteres Missverständnis ist, dass die Materialeigenschaften beim 3D Druck schlechter sind als bei anderen Technologien. In der Realität werden immer mehr Materialien für den 3D Druck entwickelt. Manchmal haben diese Materialien bessere Eigenschaften, als Sie bei herkömmlichen Materialien finden würden.
 
Das häufigste Missverständnis ist jedoch, dass der 3D Druck die traditionellen Herstellungstechniken ersetzen wird, was überhaupt nicht der Fall ist. 3D Druck ist eine großartige Technologie, die ergänzend wirkt. Und wenn wir mehr und mehr darüber erfahren, wann 3D Druck tatsächlich eingesetzt werden soll und kann, werden wir viel effizienter arbeiten.
 

Zusammenfassendstellt sich also die Frage, wann der beste Zeitpunkt für den Einsatz von 3D Druck im Vergleich zu CNC oder Spritzguss ist?

 
Stellen Sie sich diese drei Fragen, um zu sehen, ob Sie den 3D Druck in Betracht ziehen sollten: 
 
1) Wie schnell brauche ich das Teil?
 
2) Wirft meine derzeitige Fertigungsmethode Beschränkungen auf? 
 
3) Benötige ich nach der Produktion weitere Designflexibilität? 
 

Wie sehen Sie die Entwicklung des 3D-Drucks in den kommenden Jahren? 

 
Der 3D Druck wird weiter voranschreiten und in Bezug auf die Qualität wird er immer mehr mit der Qualität anderer Fertigungstechnologien vergleichbar sein. 
 
Sobald der Hype in den Hintergrund gestellt wird, werden die Menschen immer weiter lernen, wie sie mehr Wert aus dem 3D Druck ziehen können. Je besser die Branche ausgebildet ist, desto mehr wird der 3D Druck eingesetzt werden. 
 

Was hält 2020 für 3D Hubs bereit? 

 
Im Bereich 3D Druck planen wir, unser 3D Druckangebot noch professioneller zu gestalten. Wir werden auch mehr industrielle 3D Drucktechnologien anbieten und das Angebot an Materialien auf technisch ausgerichtete Lösungen ausweiten.